Im Gedenken an Harry Zingel (✟ 12. August 2009) ..... Alle Dokumente stehen ab sofort zum freien Download zur Verfügung (Redaktionsstand: letzte BWL CD 8/2009) .... Finanziert wird das Projekt via Google AdSense ... Achtung: Es erfolgt keine Aktualisierung der Inhalte ... Es besteht kein Recht auf Support in jeglicher Hinsicht ... Ich wünsche euch trotz alledem viel Erfolg mit der neuen alten BWL CD!!!

Der kostenlose Newsletter
der BWL CD
© Harry Zingel 2001-2009
BWL Mehr wissen,
mehr können,
mehr sein!
Startseite | Copyright | Rechtschreibung | Link mich! | Datenschutz | Impressum

QM-Irrwege: von der Qualität zur Herrschaft

Vor einigen Tagen haben wir an dieser Stelle einige vorsichtige Kritiken am System der ISO-Zertifizierungen versucht. Wie kaum anderes zu erwarten, hat uns das eine Menge verbale Prügel eingebracht. Ein Grund, die dort umrissenen Gedanken ein wenig zu vertiefen.

Artikel als MP3 anhören, gesprochen vom Autor:
play button

Zertifizierung nur zur Existenzsicherung

So ist das Motiv, eine ISO-Zertifizierung vornehmen zu lassen, meist ein unfreiwilliges: ohne Zertifikat keine Aufträge. Das Qualitätszertifikat garantiert nur die Fortexistenz, erbringt aber keine Produktivitäts- oder Rationalisierungsvorteile. Heute taugt es nichtmal mehr zur Werbung – und doch investiert die Geschäftsführung oft bis zu 20% des Umsatzes in den bürokratischen Akt. Ein hoher Preis, für den Fortbestand der Unternehmung, und doch erst die Spitze des Eisberges.

Warum eigentlich keine Selbstzertifizierung?

Um so mehr wundert, daß das Systemaudit von einem externen Unternehmen durchgeführt werden muß. Niemand scheint das zu hinterfragen – obwohl doch in der ISO 9000:2000 gar nicht festgelegt ist, daß nur externe Auditoren zertifizieren dürfen. Das steht nirgends! Ein ohnehin im Unternehmen vorhandener Qualitätsbeauftragter könnte dies also ebenso gut selbst tun, wäre aber viel billiger. Woher also der Zwang zur externen Zertifizierung, der doch gar keine Normforderung ist?

Hier ist an der Zeit, nach tieferen Motiven zu suchen. Eines könnte im Kundenbegriff zu finden sein. Neben dem Nutzer und dem Käufer (externer Kunde) und dem Mitarbeiter und dem Zulieferer (interner Kunde) ist nämlich auch immer mehr vom Betroffenen die Rede, vom sogenannten Stakeholder. Ein externer Eingriff in daß Management durch einen Zertifizierungsdienstleister ist nämlich nicht nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für einen neuen Berufsstand ohne genuine Wertschöpfung, sondern legt dem Unternehmen auch den grünen Nasenring an, besonders im Zusammenhang mit einer der diversen Öko-Zertifizierungen. Ist das ausufernde System der Managementkonzepte in Wirklichkeit ein Konzept der Kontrolle und Gängelung des Unternehmertums? Das würde vieles erklären, denn Überwachung und Gleichschaltung sind "moderne" Paradigmen!

Qualität und Bildung

Eine andere interessante Frage ist der Zusammenhang zwischen Qualität und Bildung. Ein unbestreitbarer Vorteil der schwerfälligen ISO-Handbücher ist, daß sie eine Prozedur vorgeben, die stur zu befolgen und zu dokumentieren ist. Das vermeidet Fehler, wenn den Mitarbeitern die notwendigen Qualifikationen fehlen. Die ISO-Zertifizierung leistet damit, was Frederick Winslow Taylor einst bei Henry Ford mit dem Funktionenmeistersystem erreichte. Wozu aber brauchen wir in Deutschland eine bis ins Detail gehende Gängelung von Mitarbeitern, die doch angeblich durch das weltweit so geschätzte duale System der Berufsausbildung so hoch qualifiziert sind?

Genau da liegt der Knackpunkt, denn Kurssysteme, Credit Points und modulare Bildungsmodelle verleiten zu Spezialistentum und beschädigen die Allgemeinbildung und grundlegende Kompetenz von Fachkräften. Die wissen immer mehr über immer weniger, und sind daher immer unqualifizierter, wenn etwas nur einen Millimeter von ihrem Spezialthema abweicht. Dann genau brauchen Sie die starre Vorschrift aus dem QM-Handbuch. ISO als Symptom des Absturzes der Universalbildung, als prozeßlenkende Krücke für Halbgebildete, armes Deutschland.

Ein zeitgemäßes System?

Das bringt uns zum Ergebnis dieser traurigen Analyse, denn nichts passiert in Politik und Wirtschaft durch Zufall. Hinter allem steckt eine Intention, über die indes oft gelogen wird. Das ist auch bei ISO nicht anders, denn die politisch-ideologische Herrschaft und der Verfall der Bildung sind sehr zeitgemäß. Sie bedingen einander. Nur eine dumme und unwissende Bevölkerung glaubt an den Klimaschwindel und akzeptiert Maut, Energierationierung und den Überwachungsstaat ohne zu murren. Das alles ist sehr "modern". ISO dient nicht der Qualität, sondern der Sicherung der Herrschaft der Politik über die Wirtschaft. Das ist eine Fehlentwicklung, die dringend korrigiert werden sollte.

Links zum Thema: Kritische Anmerkungen über ISO 9000 | Qualitätsmanagement, ISO 9000:2000 und TQM | QM im Einzelhandel: der Kunde an der kurzen Wertkette | Qualitätsmanagement: Übersicht über die wichtigsten Audit-Arten | Warum Qualitätsmanagementsysteme scheitern (interne Links)

Hinweise auf relevante Inhalte der BWL CD: [Lexikon]: "Dienstleistung", "ISO 9000", "Kundenzufriedenheit", "Produkt", "Qualität". [Manuskripte]: "ISO 9000 2000 Inhalte.pdf", "ISO 9000 Folien.pdf", "ISO 9000 Formulare.pdf", "ISO 9000 Handbuch.pdf", "ISO 9000 Skript.pdf".
Diese Hinweise beziehen sich auf die zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels aktuelle Version der BWL CD. Nicht alle Inhalte und nicht alle Stichworte sind in älteren Fassungen enthalten. Den tagesaktuellen Stand ersehen Sie aus dem Inhaltsverzeichnis oder dem thematischen Verzeichnis.


© Harry Zingel 2001-2008
Im Gedenken an Harry Zingel, ✟ 12. August 2009
Zurück zur Hauptseite: http://www.bwl-bote.de