Im Gedenken an Harry Zingel (✟ 12. August 2009) ..... Alle Dokumente stehen ab sofort zum freien Download zur Verfügung (Redaktionsstand: letzte BWL CD 8/2009) .... Finanziert wird das Projekt via Google AdSense ... Achtung: Es erfolgt keine Aktualisierung der Inhalte ... Es besteht kein Recht auf Support in jeglicher Hinsicht ... Ich wünsche euch trotz alledem viel Erfolg mit der neuen alten BWL CD!!!

Der kostenlose Newsletter
der BWL CD
© Harry Zingel 2001-2009
BWL Mehr wissen,
mehr können,
mehr sein!
Startseite | Copyright | Rechtschreibung | Link mich! | Datenschutz | Impressum

Auf dem Weg ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Zu den Arbeitnehmern und kleinen Selbständigen kam der Aufschwung der letzten Jahre mit der Bahn, nämlich gar nicht. Nur die emissionshandelnde Finanzwirtschaft, und mit ihr natürlich die räuberischen Parasiten in Parlamenten und Behörden, haben profitiert. Jetzt indes wird inzwischen offen zugegeben, daß ein mehrere Jahre dauernder Abschwung bevorsteht. Den werden die kleinen Leute vermutlich recht deutlich zu spüren bekommen. Angefangen hat es ja schon: mit Energie- und Lebensmittelpreisen. Da macht es Sinn, den Blick weiter in die Ferne zu richten.

Artikel als MP3 anhören, gesprochen vom Autor:
play button

Die langen Wellen der Wirtschaft

Zum Beispiel in die ferne Vergangenheit, also in die langen Wellen der Weltkonjunktur: so postulierte der sowjetische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew langfristige Konjunkturzyklen, die durch externe Anlässe wirtschaftliche Wachstumsphasen bedingen. Zwar ist die Theorie in der Wissenschaft umstritten, aber doch recht anschaulich: um den Anfang des 19. Jahrhunderts die Mechanisierung, gegen Ende des 19. Jahrhunderts die industrielle Revolution und die Eisenbahn, vor dem Zweiten Weltkrieg dann die Schwerindustrie und die Chemie, bis ca. 1990 dann Automatisierung, Kernkraft und Computer. Aber was kommt jetzt?

Der Amerikanische Traum

Kontratjew-Wellen haben Wohlstand geschaffen und die soziale Versteinerung der Zeit vorübergehend aufgehoben. Der amerikanische Traum, es trotz schwieriger Verhältnisse mit Arbeit und Willenskraft zu Wohlstand und Ansehen zu bringen, entstammt den Wachstumsphasen. Wenn die Wirtschaft als ausführender Arm der Wissenschaft neue Produkte und Märkte erschließt, dann entsteht zunächst eines: Freiheit. Mobilität, die Macht über die Naturkräfte oder überall digital vernetzt zu sein, sind jeweils neue Wahlhandlungsfreiheiten, die Austauschprozesse beschleunigen und den Geldumlauf beflügeln, also aus Tellerwäschern Millionäre machen - bis die Politik und die Juristen die neuen Möglichkeiten einfrieren, in Überreglementierung ersticken und aus einstigen Millionären wieder Tellerwäscher werden. So wie jetzt und hier, in Deutschland, fast zwanzig Jahre nach der Wende.

Das Primat der Politik

Aus gesellschaftspolitischer Sicht kann dies als ein Spiel um Macht und Einfluß gesehen werden: die Wirtschaft schafft, auf der Basis der Naturwissenschaften, die neuen Möglichkeiten, wird ihrer aber bald von der Politik beraubt, die aus Wildwest den durch Verwaltungsakte geordneten Wohlstand macht und aus dem Goldrausch die Umweltverträglichkeitsprüfung. Das genau ist der gegenwärtige Zustand: alles ist geordnet, nirgendwo entstehen noch neue Freiheiten. Nur neue Armut, ein Nullsummenspiel um schrumpfende Märkte im permanenten Zustand der Übersättigung. Die nachwachsende Generation hat keine Chance mehr. Kein Wunder, daß keiner mehr Kinder kriegt. Wir brauchen einen neuen Kondratjew, und zwar dringend.

Der neue Kondratjew

Und dafür gäbe es Kandidaten, denn durch Kernkraft ist billige, zuverlässige und naturunabhängige Energie möglich, durch Genoptimierung der Sieg über eine Vielzahl von Krankheiten und die Erschaffung neuartiger Organismen und durch Raumfahrt die schon vor 50 Jahren versprochene, bislang aber ausgebliebene Kolonisierung der Planeten und damit der Zugang zu unbegrenzten natürlichen Ressourcen, das Ende jeglicher Rohstoffknappheit. Diese drei, oder eine Kombination daraus, haben das Zeug zu einem neuen Goldrausch, zu einem neuen Kondratjew, heftiger als alle je zuvor. Nur leider gibt es da ein Problem...

Am Anfang jedes Kondratjew-Zyklus nämlich hatten Politiker und Parlamente nichts zu sagen. Nicht Parlamentarier haben die Eisenbahn gebaut, sondern gegen sie wurde sie von Wirtschaftsunternehmern durchgesetzt. Nicht Politiker haben das Internet nach Deutschland gebracht, sondern gegen die Blockade der damaligen Kohl-Regierung wurde es durchgesetzt, und ohne die ersten direkt empfangbaren Satelliten der späten 1980er Jahre hätten wir wohl heute noch nur zwei Fernsehprogramme und die Wählscheibentelefone der Deutschen Bundespost. Dafür haben die Märkte heute keine Kraft mehr, profitiert die Finanzwirtschaft doch in Zeiten des Klimaschwindels von der Rationierung und Verknappung statt von Wachstum und neuen Märkten. Innovative Ideen, die Freiheit statt Kürzung und Demokratie statt Planwirtschaft schaffen, haben daher gegenwärtig keine Chance. Auch die Erschließung neuer Räume ist nicht mehr wahrscheinlich: die Eisenbahn machte den Westen zugänglich, Indien und später auch Sibirien, aber heute gibt es kaum noch unerschlossene Gebiete, also kaum mehr brachliegende geographische Potentiale. Wirklich nicht?

Angst, Dummheit und Armut

Angst, Dummheit und Armut sind die Herrschaftsmittel unserer Zeit, so daß der sogenannte Kampf gegen den Terrorismus, die Bildungsverhinderungspolitik und der Klimaschwindel die drei staatstragenden Politikbereiche sind. Zu einem neuen Kondratjew kommt es erst, wenn diese Säulen einstürzen. Dafür gibt es die ersten Anzeichen.

So ist die Angst vor dem bösen islamistischen Terror seit dem 11. September gründlich erschüttert, und seitdem die Massenverschwindungswaffen im Irak partout nicht aufgespürt werden konnten, die Lüge offenbar. Auch der Glaube an den Klimaschwindel schwindet rapide seit offenbar wird, daß es nicht um das Klima, sondern nur um des Bürgers Geldbörse geht. Und während man im deutschen Westen immer noch nicht die Qualität der Schulausbildung der ehemaligen DDR erreicht hat, drängen hochqualifizierte Fachkräfte aus Fernost in deutsche Unternehmen, die ihre Auszubildenden zunehmend gleich ins Ausland schicken. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sind ja schon längst dort.

Die Chancen in der kommenden Krise

Inzwischen sind die Zeichen der Zeit auch bei der Finanzwirtschaft angekommen. Bankenpleiten waren noch vor ein paar Jahren undenkbar, jetzt sind sie an der Tagesordnung. Das erschüttert das politische System, und mit ihm die von Kohls Ziehtochter Merkel fortgesetzte Verhinderung wirtschaftlichen Fortschritts. Die kommende Krise trägt damit den Keim des Neuen. So ist zu hoffen, daß das bestehende politische System so weit destabilisiert wird, daß die Märkte den Verhinderern und Neinsagern entgleiten. Die überall nur nicht in Deutschland entstehenden Kernkraftwerke könnten dann den Strom plötzlich billiger machen und aus der dummen Gentomaten-Angstdebatte könnte plötzlich eine Chance für Diabetiker und Hungerregionen werden. Und in Peenemünde könnte doch noch ein Raumflughafen entstehen, diesmal aber zu friedlichen Zwecken. Dann wäre nämlich auch das Argument der Rohstoffknappheit ad absurdum geführt, denn der Himmel ist die Grenze des unbegrenzten Wachstums. Dort nämlich ist der neue Kolonialraum, nicht in einem fernen Land, nicht in Neufünfland, nicht in neuen osteuropäischen Billiglohn-Beitrittsländern, sondern da draußen, im Weltall. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten des kommenden Jahrhunderts.

Links zum Thema: Abzockestaat: Gebühren von 25.000 Euro pro Stunde | Berechnung der Realabgabenquote bei Arbeitnehmern | Explosion einer Steuer: die Mineralölsteuer seit 1950 | Benzinpreise: von der Sowjetunion lernen... | Lebensmittelpreise: ein Beispiel | Der Ingenieur am Pümpel, oder wie und warum Existenzen heruntergespült werden | Von Bildung, Macht und neuen gesellschaftlichen Leitbildern | Wovor die Mächtigen sich wirklich fürchten | Columbia, China und der Eisenberg (interne Links)


© Harry Zingel 2001-2008
Im Gedenken an Harry Zingel, ✟ 12. August 2009
Zurück zur Hauptseite: http://www.bwl-bote.de