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Online-Durchsuchungen: was sie uns nicht sagen

Bundesinnenminister Schäuble, der Mann, der auch Foltergeständnisse verwerten will, plant bekanntlich sogar Grundgesetzänderungen, um Zugriff auf Festplatten, Wohnungen, Mautdaten und Telekommunikationsverbindungen zu erhalten. Die totale Überwachung, die angeblich Terroristen aufspüren soll, vermutlich aber wieder wie schon die Kontenspionage gegen ganz andere Sünder eingesetzt werden wird, läßt indes tiefer blicken als es dem Minister im Rollstuhl lieb sein dürfte.

Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Vorschläge zur Onlinedurchsuchung von Computern, denn das in ihnen enthaltene technische Unverständnis läßt wenig vorteilhafte Schlüsse zu. So ist bekanntlich geplant, den Ermittlungsbehörden zu erlauben, online auf die in einem Computer gespeicherten Dateien zuzugreifen. Nicht diskutiert wird, ob das überhaupt so einfach möglich ist. Wir schauen etwas genauer hin:

So könnte man eine Windows-Hintertür ausnutzen, falls eine solche vorhanden ist. Dies aber bezweifeln wir, denn die Entdeckung einer Backdoors im führenden Betriebssystem wäre ein Marketing-Desaster für Microsoft. Und eine Hintertür würde irgendwann entdeckt werden, dafür suchen zu viele Profis danach, also Leute, die eben nicht in Ministerien oder Behörden sitzen. Und selbst wenn es eine Hintertür geben sollte, würde Microsoft die bekanntlich milliardenschwere Zukunft des eigenen Hauptproduktes gewiß nicht von der Schweigsamkeit der deutschen Polizei abhängig machen. Dieser Weg also scheidet aus.

Man hätte die Möglichkeit, einen Trojaner zu programmieren. Trojaner sind bekanntlich Programme, die auf dem Rechner ihrer Opfer Daten sammeln und an ihren Herren und Meister melden - bisher in der Regel Kennwörter, Kontonummern und anderes Material das sich eignet, Schaden anzurichten. Trojaner können, wie andere Schadsoftware, über die diversen Lücken in Windows mehr oder weniger unbemerkt installiert werden, aber diese Lücken werden regelmäßig von den verschiedenen Anbietern von Sicherheitssoftware und von Microsoft selbst gestopft. Kann man so vielleicht den verwahrlosten PC eines Kinderfickers ausspionieren, werden Terroristen und andere Franchisenehmer von Al Quaeda ihre Systeme vermutlich sachgerecht und damit wirksam gegen Eindringlinge absichern. Also Fehlanzeige. Falls sie für ihre illegalen zwecke überhaupt Windows verwenden, auch so eine Unbekannte.

Bleibt, die (zumeist ausländischen) Anbieter von Sicherheitssoftware auf Kooperation mit der deutschen Polizei zu verpflichten, den Bundestrojaner nicht zu erkennen - vermutlich aber ebenfalls ein aussichtsloses Unterfangen, denn sickert eine solche Information nach draußen, wäre das betreffende Produkt mausetot, und mit ihm sein Hersteller. Kein amerikanischer oder sonst ausländischer Anbieter aber setzt seine Existenz im Dienste des angeblichen Antiterrorkampfes solcherart aufs Spiel.

Und selbst täte er es: eine anständige Hardware-Firewall kriegt man in jedem mittelprächtigen Computerladen. Dagegen aber ist jede Software machtlos.

Bliebe, das potentielle Opfer sorgfältig zu recherchieren und ihm eine Mail mit genau seinen Interessen zu schicken, die den Bundestrojaner mitbringt - in der Hoffnung, daß die Neugier des Adressaten siegt und dieser den Bundesgeier anklickt. Das könnte die Staatsspionage auf den Rechner des Opfers bringen - wenn dieses so leichtfertig ist, einen Mailanhang unbekannter Herkunft zu öffnen, also gegen eine elementare Vorsichtsregel verstößt. Eine ordentliche Firewall würde aber auch die Phonehomes eines unbekannten Bundestrojaners erkennen und blockieren - und den Staatsschädling möglicherweise auch gleich in die Antivirendatenbank melden, so daß er alsbald in den aktualisierten Signaturen der Antivirenherstellern erscheint. Eine aufwendig produzierte Spionagesoftware wäre also nur sehr wenige Male nutzbar, bis sie von den Anbietern von Sicherheitssystemen erkannt und blockiert werden würde.

Online-Durchsuchungen, so das Fazit, sind also nur möglich, wenn das Opfer sehr leichtsinnig oder der PC des Opfers sehr verwahrlost ist - was man von den wirklichen Terroristen beides vermutlich nicht annehmen kann. Das aber bestätigt unser an dieser Stelle immer wieder geäußertes Postulat, daß es eben nicht um einen Kampf gegen den sogenannten Terrorismus geht, sondern um die allgemeine Errichtung eines Überwachungsstaates. Der Staat soll alles dürfen und alles wissen. Wofür, ist dabei erstmal sekundär. Der technische Unverstand des digitalen Laien wird mißbraucht, Angst vor den bösen arabischen Terroristen zu schüren und damit die Zustimmung zu immer weitergehenden Überwachungsmaßnahmen zu erpressen. Wir leben, so die einfache Wahrheit, längst in einer Diktatur - die Angst als Herrschaftsmittel einsetzt. Das aber kennen wir bereits.

Links zum Thema: Merkelwürdig: Die saubere Bombe im Rollstuhl | Neue Kontrollmöglichkeiten des Schnüffelstaates | Wo es rückwärts vorwärts geht: über Produktivität, Knappheit und Herrschaft (interne Links)

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