Der Versand gekühlter oder temperaturgeführter Waren gewinnt im Onlinehandel zunehmend an Bedeutung. Frische Lebensmittel, Arzneimittel und Kosmetika mit aktiven Inhaltsstoffen sowie gewisse chemische Erzeugnisse erfordern beim Versand Verpackungen, die über mehrere Stunden bis Tage Temperaturkorridore zwischen 2 und 8°C (für Tiefkühlware unter –18°C) halten.
Kostenstruktur im gekühlten Versand
Die Kalkulation für temperaturgeführte Sendungen setzt sich aus mehreren Blöcken zusammen. Zu den Materialkosten für die Isolierverpackung kommen die Kühlmittel (Gel- oder Trockeneisakkus), ein höheres Versandgewicht, längere Kommissionierzeiten und in der Regel Expresszustellung. Analysen aus der Logistikbranche verorten die Verpackungskosten je Sendung meist zwischen 4 und 15 Euro, in der Pharmalogistik auch bedeutend darüber.
Anbieter wie Cooledsolutions, die isolierte Transportverpackungen aus EPS, EPP und Vakuumisolationspaneelen anbieten, sind auf Sendungen mit 24 bis 120 Stunden Temperaturstabilität spezialisiert. Für die betriebswirtschaftliche Bewertung sind neben dem Stückpreis auch die Wiederverwendbarkeit, die Lagerfähigkeit in flacher Form und die Anpassung an die gängigen Paketmaße der KEP-Dienstleister von Bedeutung.
Materialwahl und Total Cost of Packaging
Der Auswahl des geeigneten Verpackungssystems liegt eine Total-Cost-of-Packaging-Betrachtung zugrunde. So kann beispielsweise ein günstiges EPS-Behältnis in der Einzelkalkulation zwar verführerisch erscheinen, verursacht bei sperrigem Volumen doch höhere Frachtkosten und Entsorgungsaufwand beim Endkunden. Wabenkartonagen mit reflektierender Innenlage haben zwar geringere Materialkosten je Einheit, benötigen aber wiederum mehr Kühlmittel, um die gleiche Standzeit zu bewirken.
Vakuumisolationspaneele haben einen hohen Anschaffungspreis, senken dafür das benötigte Kühlmittelvolumen um bis zu 50 % und erlauben kleinere Paketmaße. Wer diese Positionen sauber gegeneinander aufstellt, wird rasch erkennen, dass der reine Beschaffungspreis keine in der Praxis so wenig aussagekräftige Kennzahl darstellt wie der Cost per Shipment oder der Cost per Hour of Temperature Stability.
Prozess-Kennzahlen und Compliance-Kosten
Nicht nur der Blick auf das Material, auch regulatorische Vorgaben wirken sich unmittelbar auf die Kostenrechnung aus. In Bezug auf Arzneimittel sind es die EU-Leitlinien zur Guten Vertriebspraxis und für Luftfracht die IATA Temperature Control Regulations. Beide verlangen dokumentierte Qualifizierungen der Verpackungen inkl. Sommer- und Winterprofil sowie regelmäßige Requalifizierungen. Diese Prozesskosten werden oft unterschätzt.
Kennzahlen wie die sogenannte Excursion Rate, d. h. der Anteil an Sendungen mit Temperaturabweichung, oder die OTIF-Quote geben Aufschluss über die tatsächliche Prozessqualität. Eine Excursion Rate unter einem Prozent gilt in der Pharmalogistik als Zielmarke, im Lebensmittelhandel kalkuliert man häufig mit zwei bis drei Prozent. Jeder Prozentpunkt darüber führt sofort zu Reklamations- und Ersatzkosten, die eine Verpackungsersparnis schnell wieder auffressen.
Nachhaltigkeit als betriebswirtschaftlicher Faktor
Ökologische Aspekte halten nun auch Einzug in die Kalkulation, teils durch das Verpackungsgesetz und die künftige EU-Verpackungsverordnung PPWR regulatorisch getrieben, teils durch geänderte Erwartungen der Kunden.
Mehrweg-Kühlboxen mit Pfandsystem verringern die Materialkosten pro Sendung nach zehn bis fünfzehn Zyklen, verlangen aber auch Investitionen in Rückführungslogistik und Reinigung. Papierbasierte Isolationen aus Zellulose oder Schafwolle haben ihre Vorteile in der Entsorgbarkeit, erreichen aber kaum die thermische Leistung synthetischer Materialien.
Für Händler mit hohem Sendungsaufkommen kann sich der Aufbau eines eigenen Pools rechnen. Kleinere Anbieter fahren oft besser, wenn sie sich die standardisierten Systemlösungen gleich dreier spezialisierter Hersteller bedienen und damit auch das Skaleneffektpotential in der Beschaffung nutzen.
Eine jährliche Ausschreibung oder Benchmark mit zwei bis drei Anbietern schafft Verhandlungsspielraum und deckt Einsparpotentiale auf, die sich im Tagesgeschäft so gut wie nie von selbst zeigen. Der gekühlte Versand bleibt damit ein Feld, in dem sauber geführte Kennzahlen und ein strukturierten Auswahlprozess über die tatsächliche Rentabilität entscheiden.





