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Die »Goldene Aue«, oder was wir vom Kaiserreich lernen sollten

Das deutsche Kaiserreich genießt nicht immer den besten Ruf, und doch könnten wir von jener Zeit eine Menge lernen. Das geht am besten, wenn man die Dokumente aus jenen Tagen betrachtet und ideologische Debatten vermeidet. Versuchen wir das doch einfach mal:

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Mir liegt der "Gesellschafts=Vertrag" der Aktien-Malzfabrik "Goldene Aue" aus Roßleben vor, datiert 1. Januar 1900, also von dem Tag, an dem auch das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft trat. Es lohnt sich, in dem alten Dokument zu blättern. So lesen wir beispielsweise in §4 der Satzung, daß die Aktien=Malzfabrik ein Grundkapital i.H.v. 400.000 Mark habe, zerlegt in 400 Aktien zu je 1.000 Mark: das also war lange vor dem Desaster mit der Telekom-Aktie, zu einer Zeit, da schon zum Nominalwert eine Aktie ein kleines Vermögen wert war, mehr als ein Jahreslohn eines Arbeiters.

Viel spannender aber ist §10 der vorliegenden Satzung mit den Vorschriften über den Vorstand. Riskieren wir mal einen Blick:

Aus der Satzung der Aktien=Malzfabrik »Goldene Aue«

Wir nehmen also erstaunt zur Kenntnis: der Direktor der Gesellschaft, nach heutiger Terminologie der Vorstandsvorsitzende, muß also zehn Aktien zum Nennwert von je 1.000 Mark, oder 10.000 Mark, als Kaution hinterlegen. Ein Vermögen als Sicherheit für eine gute Leitung der Gesellschaft: so sieht die Verantwortung der Führungspersönlichkeit für den Betrieb in der Praxis aus.

Das also ist das menschliche Gesicht des Kapitalismus: baut der Vorstandsvorsitzende Mist, so kann er zur Rechenschaft gezogen werden. Erst nach Entlastung durch die Hauptversammlung erhält er sein Geld zurück. Das Unternehmen ist offensichtlich keine "moderne" Heuschrecke, sondern ein Verein, der durch Kombination von Produktionsfaktoren gesellschaftlich nützliche Produkte schafft. Und zwar nicht durch Spekulation, sondern durch harte Arbeit. Und einer ist verantwortlich, ganz so, wie der Kapitän für sein Schiff.

Vom Kaiserreich kann man eine Menge lernen. Wäre das zum Beispiel nicht etwas, was man heute wieder einführen könnte?

Links zum Thema: Kleines Wertpapier-Museum | Die Affäre Zumwinkel, oder warum Schadenfreude doch nicht die beste Freude ist | Klimaschwindel: das schmutzige Geschäft mit der grünen Sklaverei (interne Links)


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