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Produktionstheorie: das GAE-Spielzeug

Während Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Rentabilität wohldefiniert sind, ist die Effektivität ein mehr oder weniger unbestimmter Begriff, der gleichwohl mit Leben gefüllt werden kann. Während die Produktivität als elementares Maß einfach den Faktoroutput eines Prozesses geteilt durch den Faktorinput meint, also z.B. Kilometer geteilt durch Stunden, sind die üblichen Definitionen der Effektivität hingegen weitaus komplexer. Am bekanntesten: die Gesamtanlageneffektivität (GAE), die oft auch als Overall Equipment Effectiveness (OEE) bekannt ist. Wir erforschen diese Maßzahl mit dem GAE-Spielzeug, einem Erwachsenenspielzeug der besonderen Art:

Das GAE-Konzept basiert auf einer Zeit- und einer Mengenrechnung. Die Gesamtzeit wird zunächst um planmäßige Stillstandszeiten auf die Soll-Zeit reduziert. Die Soll-Zeit ist die Zeit, in der tatsächlich produziert werden soll. Da die Anlage aber aus ungeplanten Gründen manchmal stillsteht, kann die Ist-Zeit kleiner als die Soll-Zeit sein. In der Ist-Zeit wird tatsächlich produziert.

Die in der Ist-Zeit herzustellende Stückzahl heißt Soll-Menge. Da die Maschine aber manchmal langsamer läuft oder aus anderen Gründen Verluste produziert, ist die wirklich hergestellte Stückzahl (Ist-Menge) meist kleiner als die Soll-Menge. Schließlich produziert die Anlage manchmal Ausschuß. Die Menge der brauchbaren Herstellungsobjekte (die Gut-Menge) kann also kleiner als die Ist-Menge sein.

Eine anschauliche Grafik visualisiert diese Zeit- und Mengenverhältnisse:

Gesamte Zeit während der Rechnungsperiode:
(Gesamt-Zeit):
Stunden:
A
Geplante Produktionszeit:
(Soll-Zeit):
Stunden:
Plan-
stillstand
B
Tatsächliche Produktionszeit:
(Ist-Zeit):
Stunden:
Nichtplan-
stillstand
C
Geplante Produktionsmenge:
(Soll-Menge):
Stück:
D
Tatsächliche Produktionsmenge:
(Ist-Menge):
Stück:
Mengen-
verlust
E
Tatsächliche Produktionsmenge:
(Ist-Menge):
F
Nutzbare Produktionsmenge:
(Gut-Menge):
Stück:
Ausschuß
(Müll)
Gesamtanlageneffektivität:
 
GAE:

Dividiert man B durch A, also die Ist-Zeit durch die Soll-Zeit, so erhält man den Verfügbarkeitsfaktor. Die Istmenge D durch die Sollmenge C ist der leistungsfaktor. Die Gutmenge F schließlich durch die Istmenge E ergibt den Qualitätsfaktor. Multipliziert man diese aus, so erhält man die Gesamtanlageneffektivität:

Die GAE-Berechnung

Wer es zu mühsam findet, sich Beispielzahlen auszudenken, drückt auf die Taste "Musterdaten eintragen". Das Programm führt dann die folgende Berechnung durch:

Das GAE-Beispiel

Natürlich dürfen die Werte auch verändert werden; das Programm prüft jedoch die Eingaben und rügt mögliche Fehler. Ich wünsche viel Spaß beim Herumprobieren!

Wer wissen möchte, wie das hier funktioniert, schaut bitte in den Quelltext dieser Seite. Wie immer im BWL-Boten ist der Code quelloffen; ein bißchen Kenntnisse in HTML-Design und JavaScript sind aber unerläßlich. Die Sache steht jetzt auch in der Formelsammlung der BWL und seit Anfang der Woche gibt es auch ein entsprechendes Stichwort im Lexikon für Rechnungswesen und Controlling. Und natürlich eine Excel-Datei (die noch etwas mehr kann als diese Seite).

Links zum Thema: Formelsammlung der BWL (interner Link)

Hinweise auf relevante Inhalte der BWL CD: [Lexikon]: "Effektivität", "Gesamtanlageneffektivität", "Produktivität", "Qualitätsmanagement". [Manuskripte]: "Formelsammlung der BWL.pdf", "ISO 9000 Skript.pdf", "Kennzahlenrechnung.pdf", "Produktion Skript.pdf". [Excel]: "Gesamtanlageneffektivität.xls".
Diese Hinweise beziehen sich auf die zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels aktuelle Version der BWL CD. Nicht alle Inhalte und nicht alle Stichworte sind in älteren Fassungen enthalten. Den tagesaktuellen Stand ersehen Sie aus dem Inhaltsverzeichnis oder dem thematischen Verzeichnis.


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