Im Gedenken an Harry Zingel (✟ 12. August 2009) ..... Alle Dokumente stehen ab sofort zum freien Download zur Verfügung (Redaktionsstand: letzte BWL CD 8/2009) .... Finanziert wird das Projekt via Google AdSense ... Achtung: Es erfolgt keine Aktualisierung der Inhalte ... Es besteht kein Recht auf Support in jeglicher Hinsicht ... Ich wünsche euch trotz alledem viel Erfolg mit der neuen alten BWL CD!!!

Der kostenlose Newsletter
der BWL CD
© Harry Zingel 2001-2009
BWL Mehr wissen,
mehr können,
mehr sein!
Startseite | Copyright | Rechtschreibung | Link mich! | Datenschutz | Impressum

Grundlagen der Bilanzierung: das abgegrenzte Mobiltelefon

Mobiltelefone ("Handys"), vergleichbare Kleingeräte wie PDAs und bisweilen sogar schon "normale" PC-Computer werden oft von Dienstebetreibern subventioniert. Dies geschieht in der Weise, daß der Diensteprovider, z.B. das Mobilfunkunternehmen, die Anschaffungskosten für das Gerät weitgehend oder ganz übernimmt, wenn der Kunde zugleich mit dem Kauf des Gerätes einen Dienstleistungsvertrag mit bestimmter Mindestlaufzeit (zumeist zwei Jahre) abschließt. In diesem Fall stellt sich die Frage, wie das Gerät zu bilanzieren sei, und ob die Vorteilsgewährung durch den Diensteanbieter einen Ertrag darstellt.

Artikel als MP3 anhören, gesprochen vom Autor:
play button

Hierzu hat sich die Finanzverwaltung schon im BMF-Schreiben vom 20.06.2005 (IV B 2 – S 2134 – 17/05) geäußert. Nach diesem Schreiben sind in der Bilanz zwei separate bilanzierungspflichtige Vorgänge vorzunehmen, wenn der ungeminderte (d.h. nicht vom Diensteanbieter subventionierte) Wert des Gerätes die Grenze der Verbrauchsfiktion überschreitet:

  • die verbilligte Überlassung des Gerätes stellt einen Ertrag für die Zeit nach dem Vertragsschluß dar und ist passiv über die Vertragslaufzeit abzugrenzen;
  • zugleich ist das Gerät mit seinem eigentlichen Verkaufspreis (also dem gemeinen Wert) zu aktivieren.

Maßstab für den aktivierungspflichtigen Wert ist der Verkaufspreis, der ohne parallelen Abschluß eines Vertrages zustandekommen würde. Dieser liegt auch heute noch bei vielen Geräten, die bei gleichzeitigem Abschluß eines Vertrages für einen Euro zu haben sind, weit über der Verbrauchsfiktionsgrenze (von 150 Euro).

Ein Beispiel illustriert diese Buchungsmethode: die Unternehmung erwirbt ein PDA zum Kaufpreis von 100 Euro bei gleichzeitigem Abschluß eines Zweijahresvertrages mit einem Mobilfunkprovider. Der Kaufpreis des hochwertigen Gerätes ohne gleichzeitigen Mobilfunkdienstleistungsvertrag wäre 1.200 Euro gewesen und ist problemlos aus dem Katalog des Mobilfunkanbieters zu ersehen. Das Gerät ist also zum eigentlichen Kaufpreis i.H.v. 1.200 Euro zu aktivieren, während der Unterschied zwischen dem eigentlichen Preis und dem tatsächlichen Kaufpreis i.H.v. 100 Euro als passive Rechnungsabgrenzung in Höhe von 1.100 Euro auszuweisen ist:

Aktivierung des Mobiltelefons
Aktiva Passiva
Betriebs- und Geschäftsausstattung 1.200 EUR Passive Rechnungsabgrenzung 1.100 EUR

Im laufenden und im folgenden Jahr, also in beiden Perioden des abgeschlossenen Zweijahresvertrages, wäre diese passive Rechnungsabgrenzung dann mit der Buchung

Passive Rechnungsabgrenzung AN Erträge 550

ertragswirksam (und damit ertragsteuerpflichtig) aufzulösen. Zugleich wäre der aktivierte Betrag von (im Beispiel) 1.200 Euro nach den üblichen Methoden abzuschreiben: liegt der gemeine Wert des Gerätes über 1.000 Euro, so ist gemäß AfA-Tabelle abzuschreiben. Liegt der gemeine Wert im Bereich der geringwertigen Wirtschaftsgüter (150 bis unter 1.000 Euro), so wäre nach der Pool-Methode über fünf Jahre abzuschreiben. Nur Geräte, die ohne Vertrag unter 150 Euro kosten, dürfen direkt aufwandswirksam erfaßt werden (Verbrauchsfiktion).

Obwohl es nur um vergleichweise kleine Beträge zu gehen scheint, kann die Regelung von erheblicher praktischer Bedeutung sein, wenn beispielsweise zahlreiche Außendienstmitarbeiter mit Mobiltelefonen ausgestattet werden sollen. Hier wäre in der Praxis darauf zu achten, daß der ungeminderte Preis des einzelnen Gerätes entweder unter die Verbrauchfiktionsgrenze fällt, so daß eine Aufwandsbuchung möglich ist, oder über 1.000 Euro liegt, so daß die fünfjährige Pool-Abschreibung vermieden wird, denn eine so lange Abschreibung ist bei solchen Geräten wenig realistisch, gleichwohl seit Anfang 2008 aber vorgeschrieben.

Links zum Thema: Neuregelung der geringwertigen Wirtschaftsgüter: noch immer problematisch! | Der Buchhalter-RAP, Teil 1 von 2: Was Du heute kannst besorgen... | Der Buchhalter-RAP, Teil 2 von 2: Wer zu spät kommt... (interne Links)

Hinweise auf relevante Inhalte der BWL CD: [Lexikon]: "geringwertige Wirtschaftsgüter", "Mobiltelefon", "Rechnungsabgrenzung", "Verbrauchsfiktion". [Manuskripte]: "Buchführung Abschlüsse.pdf", "Einführung in das REWE.pdf".
Diese Hinweise beziehen sich auf die zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels aktuelle Version der BWL CD. Nicht alle Inhalte und nicht alle Stichworte sind in älteren Fassungen enthalten. Den tagesaktuellen Stand ersehen Sie aus dem Inhaltsverzeichnis oder dem thematischen Verzeichnis.


© Harry Zingel 2001-2008
Im Gedenken an Harry Zingel, ✟ 12. August 2009
Zurück zur Hauptseite: http://www.bwl-bote.de