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Unabhängigkeit für das Kosovo, oder der Teufel und das Weihwasser

Erwartungsgemäß hat sich das Kosovo heute nach acht Jahren unter ausländischer Besatzung durch die UN für unabhängig erklärt, nicht zufällig an einem Sonntag: da gibt es keine Sitzung des Weltsicherheitsrates. Selbst Rußland kann heute bei den Vereinten Nationen nichts bewegen. Das aber wäre aus Sicht der russischen und europäischen Führung dringend nötig, denn die Sezession der ehemaligen serbischen Provinz ist ein Fanal. Vielleicht der Anfang vom Ende der großen Diktaturen der Gegenwart.

Man mag von einem selbständigen Kosovo halten, was man will, aber wir haben die Entscheidung der Kosovaren zu respektieren solange sie demokratisch zustandegekommen zu sein scheint, was vermutlich der Fall ist. Das nämlich nennt man Demokratie, doch damit haben die ehemalige UdSSR und ihre Erbin, die EUdSSR große Probleme. Kein Wunder, ängstigt Volkes Wille doch immer die Mächtigen.

Mit dem Kosovo endet der lange Zerfallsprozeß des ehemaligen Jugoslawiens, eines künstlichen Vielvölkerstaates, doch dafür hat der Lernprozeß in Europa noch immer nicht begonnen, jedenfalls nicht in unserem ungewählten Brüsseler Politbüro. Das nämlich schafft in Europa ein neues Völkergefängnis, einen neuen Vielvölkerstaat, so undemokratisch wie einst die Sowjetunion, die ja bekanntlich ebenfalls schon erfolgreich verstorben ist, wenn auch nicht ganz: Reste der ehemaligen Sowjetrepubliken, die noch immer von Rußland kontrolliert werden, zeigen nämlich ganz ähnliche Sezessionstendenzen, zum Beispiel im Kaukasus: Georgien, Süd-Ossetien und Abchasien könnten dem Beispiel des Kosovos bald folgen. Kein Wunder, daß Putin sich vor dem Kosovo fürchtet.

Doch auch die EU brennt schon, zum Beispiel im Baskenland und in Nordirland. Während man in Brüssel und Straßburg noch von "Regionen" schwadroniert (anstatt die angeblich unzeitgemäße Existenz von Nationen anzuerkennen), bröckelt auch Europa, das wie einst Jugoslawien auf den Trümmern des Zweiten Weltkrieges errichtet wurde, aber anders als Jugoslawien auch auf dem deutschen Schuldkomplex. Der hat zwar länger gehalten als Titos blockfreie Diktatur, verblaßt inzwischen aber auch. Und mit ihm die europäische Staatsraison, deren Kassenwart immer mehr Deutsche nicht mehr sein wollen. Und daß hierzulande bald jugoslawische Verhältnisse ausbrechen, das fürchten Rat, Kommission und die parlamentarische Quasselbude wie der Teufel das Weihwasser, denn nicht nur mit ihren überbezahlten politischen Posten wäre dann bald Schluß: Belgien hatte kürzlich für Wochen keine Regierung, welche paradiesischer Zustand. Doch so friedlich geht es meist nicht ab, denkt man an den endlosen Bürgerkrieg, der nach Titos Abgang an der Adria entstand, und an die ethnischen "Säuberungen" in Bosnien und anderswo. Ist so was auch in Westeuropa denkbar? Ist das das Ende aller Diktaturen seit dem Untergang des Imperium Romanum in den Wirren der Völkerwanderung? Kein Wunder, daß Brüssel die eigentlich anstehenden Volksabstimmungen über den neuen EU-Vertrag abtreiben läßt, vor zwei Wochen sogar in Frankreich, dem Mutterland der Demokratie.

Wir können, so die Lehre, die man uns aus Pristina heute auftischt, endlich zur Demokratie übergehen - und Europa auf einen wirtschaftlichen Kooperationsvertrag wie einst die EWG abwickeln, wenn es als volksferne Supermacht keine Unterstützung im Volk findet, was man freilich in einer großen Volksabstimmung herausfinden müßte. Oder wir enden so, wie alle Diktaturen vor uns, denn wer aus der Geschichte nichts lernt ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Darauf aber kann sich keiner freuen, nicht mal die Nationen selbst, die dann die Freiheit von Fremdherrschaft und Bevormundung aus Moskau oder Brüssel erlangen, gleichwohl um einen hohen Preis.

Links zum Thema: NS-Zwangsarbeiterentschädigungen: von der fortwirkenden Bußsucht und ihrem Nutzen | Europa in der Krise: der Anfang vom Ende? | EU-Skript (interne Links)


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