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Über Chancengleichheit und Gleichmacherei in der Schule,
oder scheinbare Selbstverständlichkeiten

Nachdem der UN-Menschenrechtskommissar Munoz gestern das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland in Frage gestellt hat, ist die nicht gerade neue Debatte über Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem wieder hochgekocht. Diese Diskussion geht aber von scheinbar selbstverständlichen Gemeinplätzen aus, die indes keineswegs eine Selbstverständlichkeit sind. Der BWL-Bote stellt wie immer unbotmäßige Fragen nach Grundsätzlichkeiten.

So schwingt in dem Vorwurf, im deutschen Schulsystem bestehe keine Chancengleichheit auch die wie selbstverständlich erhobene Forderung mit, daß jeder gleiche Chancen haben solle. Was aber berechtigt uns zu dieser Forderung, die noch nichtmal im Naturrecht begründet ist? Schließlich sind die Menschen höchstens auf dem Friedhof gleich, nicht aber im Leben. Warum also sollte dann Chancengleichheit durchgesetzt werden?

Insbesondere wird argumentiert, daß Migrantenkinder Nachteile hätten. Diese, so heißt es, seien im wesentlichen auf deren oft mangelnde Sprachkenntnisse zurückzuführen. Wo aber steht geschrieben, daß wer kein oder nur schlecht Deutsch spricht mit einem Deutschen gleichberechtigt sein soll? Könnte ich mich beschweren, in einer französischen Schule auf keinen grünen Zweig zu kommen, da ich kein Wort französisch spreche? Wer nicht Deutsch lernen will darf sich nicht wundern, wenn er in einer deutschen Schule nicht folgen kann - das ist die einfache Wahrheit. Anscheinend aber darf das nicht mehr gedacht und schon gar nicht ausgesprochen werden.

Im gleichen Atemzug wird derzeit auch wieder die absurde Forderung nach der Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems erhoben. Die Diskussion wird in Deutschland seit der Ära Brandt, also seit bald vierzig Jahren geführt, ohne freilich zu einem Ergebnis zu gelangen. Erkennt man an, daß Menschen faktisch ungleich sind, muß man auch für unterschiedliche kognitive Leistungsniveaus entsprechende Schulen anbieten. Wer Einheitsschulen versucht, überfordert die Lehrer. Die können nämlich nicht gleichzeitig dem Ausländer Sprachförderung und dem Gymnasiasten eine angemessene Vorbereitung auf das Studium bieten. Das funktioniert einfach nicht. Jeder pädagogisch Tätige weiß, daß eine homogene Schülergruppe besser zu betreuen ist. Die Lernenden werden aber nicht dadurch homogener, daß man die Hauptschüler einfach auf die Realschule schickt. Die Kinder müssen daher am Ende der Grundschule in unterschiedliche Schulzweige sortiert werden, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Das ist in ihrem eigenen Interesse, denn sonst ist ihre Schulbildung nicht kostenlos, sondern umsonst. Wer das nicht anerkennt, hat seit Willy Brandt offenbar nichts dazugelernt.

So offenbart die aktuelle Debatte ihren ideologischen Charakter, alle Menschen mit schulischen Mitteln gleichmachen zu wollen. Dies aber ist ein zutiefst totalitäres Gedankenmuster, denn außer auf dem Friedhof sind Menschen in Gefangenschaft oft sehr gleich. Die Diktaturen aller Zeiten und aller Vorzeichen wissen, was ich meine. Die faktische Ungleichheit der Menschen, die sich natürlich und notwendiger weise auch in einer Chancenungleichheit artikuliert, macht dabei gerade die bunte Vielfalt einer Demokratie im allgemeinen und einer Wirtschaft im besonderen aus, denn niemand kann alles können oder alles wollen. Ungleichheit ist eine Naturtatsache. Wir sollten nicht über vorgebliche oder tatsächliche Chancenungleichheit lamentieren, sondern Ausländern Sprachförderung erteilen und ansonsten zu den unterschiedlichen Lebenswegen, die Menschen nun mal nehmen, auch entsprechend unterschiedliche Schulformen anbieten.

Links zum Thema: Schulgewalt: was keiner sehen will, oder das Plädoyer für die gute, alte Ohrfeige | Gleichheit in der Bildung: Plädoyer für Schuluniformen | Notprogramm und Gegenrevolution: alternative Vorschläge zur Schulreform (interne Links)

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