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Bald kostenlose Flugverbindungen in Europa?

Konkurrenz belebt das Geschäft, so auch im Flugverkehr. Medienberichten zufolge soll Ryanair-Chef Michael O'Leary angekündigt haben, die Preise für seine Flugtickets binnen zehn Jahren auf null zu senken. Dann könnten alle Kunden umsonst fliegen. Was eine erfreuliche Nachricht für Reisende ist, könnte aber auch ein Symptom einer tieferliegenden Entwicklung im Marketing sein. Was also steckt dahinter?

O'Leary will sein Unternehmen nämlich über die Hotels und Mietwagenfirmen finanzieren, die die Kunden, die Ryanair durch die Luft wuchtet, vor und nach den Flügen benutzen. Das Fliegen wird also zu einer Art Nebenleistung, die von anderen damit im Zusammenhang hängenden Diensten finanziert wird.

Das ist aus anderen Bereichen bekannt: Medien finanzieren sich beispielsweise durch Werbung - was auch eine Idee für Flugpassagiere wäre: in einer kostenlosen Klasse müssen die Kunden Werbespots über sich ergehen lassen. Auch die Hersteller von Telefonen und anderen Endgeräten der Telekommunikation werden bekanntlich von den Telefongesellschaften teilfinanziert, die den Kunden bei Abschluß eines Vertrages das Gerät schenken oder verbilligt anbieten. Selbst kostenlose und werbefinanzierte Computer wurden schon ausprobiert, wenngleich bislang noch mit wenig Erfolg: aber geht diese Hardware bald den vom Handy vorgezeichneten Weg?

Diese scheinbar unverbundenen Marketingstrategien haben gemeinsam, daß dem Kunden Leistungspakete geboten werden - selbst wenn er nicht merkt, daß der Mietwaren am Reiseziel seine Airline mitfinanziert. Dies ist ein genereller Trend: Auch Mietsoftware, ASP und ähnliche Marketingmodelle im IT-Gewerbe gehen in eine ähnliche Richtung: der Kunde kauft nicht eine Lizenz (oder ein Produkt), sondern eine Leistungspaket. Das Marketing wandelt sich daher vom Verkauf zum Clienting. Der Kunde geht eine Beziehung zum Lieferanten ein, der mehr und mehr die Rolle eines Providers (und nicht mehr eines Lieferanten) übernimmt. Dies ist typisch für die Entwicklung vom Verkäufer- zum Käufermarkt, vom Mangel zum Überfluß, von Verteilung zum Markt, von Gängelung zur Freiheit. Aber wie haltbar ist diese Freiheit?

Dieser Wandel bringt nämlich tiefgreifende Änderungen. So sind Klienten viel besser als Kunden zu überwachen. Ein Provider hat mehr Daten über seine Klienten als der Lieferant über punktuelle Käufe von Kunden. Kein Wunder also, daß man mit NGSCB, das einst als TCPA bekannt war versucht, den Computer zu einer ferngesteuerten und totalüberwachten Maschine zu machen: Keine Raubkopien mehr, keine OpenSource-Software, keine Musik, die nicht weiß, wem sie gehört, und alle Dokumente werden vom Diensteprovider mitgelesen (und ggfs. zensiert).

Wie im digitalen Bereich die zu Providern mutierenden Softwarehersteller könnte auch Ryanair bald viel mehr über seine Kunden wissen als nur, wann wer von wo nach wo geflogen ist. Das könnte Information Mining zu einem lohnenden Geschäftsfeld auch für Airlines machen. Die wehren sich gegenwärtig noch gegen die Offenlegung von Daten gegenüber US-Behörden; werden sie sich aber auch wehren, wenn sie ihre Erkenntnisse über Kunden verkaufen können? Kriegen Ryanair-Kunden bald Spams von Leuten, die genau wissen, wo sie letzte Woche waren?

Alles läßt sich in wenigen Worten zusammenfassen: free things always hurt. Wer kostenlos fliegt, verkauft zwar nicht seine Seele, aber ein Stück seiner informationellen Selbstbestimmung. Wer ein kostenloses Handy will darf sich nicht wundern, wenn es mit der Karte der Konkurrenz nichts funktioniert. Ganz einfach, man kriegt nichts geschenkt. Auch nicht von Ryanair.

Links zum Thema: Skript über Werbestrategien | Gratisangebote, DRM und Opportunitätskosten: Auf dem Weg in die Abhängigkeitsökonomie | TCPA: Auf dem Weg in die totale Kontrolle (interne Links)

Hinweise auf relevante Inhalte der BWL CD: [Lexikon]: "Application Service Providing", "e-Commerce", "Marketing", "Marketing-Mix", "TCPA", "Werbung".
[Manuskripte]: "e-Commerce.pdf", "WebPromotion.pdf", "Werbung (Skript).pdf".
Diese Hinweise beziehen sich auf die zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels aktuelle Version der BWL CD. Nicht alle Inhalte und nicht alle Stichworte sind in älteren Fassungen enthalten. Den tagesaktuellen Stand ersehen Sie aus dem Inhaltsverzeichnis oder dem thematischen Verzeichnis.


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